spirituelle Ecke

2. Juni 2020

Wenn wir einen Glauben haben, wenn wir diesen Glauben praktizieren und wenn wir nicht nur Gott sondern auch unsere Mitmenschen gerne haben, dann ist dies noch keine Versicherung, dass wir dafür vor Leid, Krankheit, Sorgen und Schicksalsschlägen bewahrt werden. Das Buch Tobit ist randvoll dieser Tatsache. Manchmal denken wir vielleicht: Es trifft doch immer die Falschen. Warum muss dieser gute Mensch jetzt dies oder jenes aushalten, tragen, erleiden? (Tobit 2,14)
Tobits Frau könnte sogar noch krasser fragen: Weshalb geht es meinem Mann so verschissen?
Solche Fragen sind uns mehr als vertraut: Wo ist jetzt der Lohn? Was hat es dir gebracht?
Aber: Wir dürfen nicht zu kurzatmig leben. Glaube ist ein „Mich dem langen Atem Gottes Anvertrauen“; ist: mich von ihm und all den unerwarteten Wenden, die mein Leben nehmen wird, überraschen lassen. Wir sollen die Bilanz unseres Verhältnisses mit Gott erst am Schluss ziehen. Wer Gott vertraut, für den ist das Leid nie der Schlusspunkt. Wer sein Leben auf ihn setzt, darf neugierig und gespannt sein, wie das Heil wird … Ganz langsam vielleicht, überraschend und unerwartet – oder heiß ersehnt, erfleht. Aber immer spielen Menschen eine wichtige Rolle, Menschen, die sich unserem Gott als Werkzeug anbieten.
Auf Chaos und Leid, auf Krankheit und Not, hat Gott seine Antwort; und die wächst uns zu und wird uns geschenkt. Manchmal dürfen wir sie einander durch unseren Einsatz sogar schenken.

Mit dem heutigen Tag geht die Folge der Impulse in der Spirituellen Ecke zu Ende. 

Ich hoffe sehr, dass wir nun die Coronakrise überwunden haben und dass die Spirituelle Ecke ein kleines Zeichen sein konnte, dass wir aneinander denken und helfen konnte, die Langeweile in Zeiten der Kurzarbeit zu vertreiben. 

Wir SeelsorgerInnen möchten uns herzlich bei der Redaktion des Höfner Volksblatts für diese Möglichkeit bedanken und wünschen allen Gottes Segen 

Urs Zihlmann, Priester

 

22. Mai

Jesus sagt: „So habt auch ihr jetzt Trauer, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude. An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.“ (Joh 16, 22-23a)

Alles klar - keine Fragen mehr. Naja, vielleicht doch. Gehört das Fragen nicht wesentlich zum Menschen dazu wie das Licht zum Tag und die Dunkelheit zur Nacht? Kritisch und dennoch wohlwollend zu fragen, lässt uns wachsen und stiftet eine Gemeinschaft trotz aller Verschiedenheit. Die unterschiedlichen Fähigkeiten und Gaben so zusammenzubringen, dass kritisches Fragen befruchtend wirkt und lebendig macht, ist eine Lebensaufgabe. Darin lassen sich viele kleine Freuden und Aufmerksamkeiten erkennen und ein Stück Himmel im Alltag aufscheinen - das wünsche ich Ihnen. Jesus beschreibt diesen Moment als Vollkommenheit. Eben: keine Fragen mehr, sondern alles vollkommen (klar).  

Holger Jünemann, Pfarreibauftragter

14. Mai

Kaum eines unserer Worte ist so strapaziert wie das Wort Liebe. In unzähligen Liedern und Gedichten wird sie besungen. In mannigfachen Liebesschwüren wird dieses Gefühl der innigen Verbundenheit und Zuneigung beteuert.

Es gehört zu den schönsten Gefühlen und Befindlichkeiten unseres menschlichen Daseins. Liebe betrifft jedoch auch den Bereich des Menschseins, der am verletzlichsten ist, besonders, wenn aus Liebe vordergründige Liebelei wird, und das Wort für manchen nur noch eine Farce darstellt. Das deutsche Wort Liebe ist schillernd und trägt die Aspekte des Eros, der Philia (Freundesliebe) und der Agape oder Nächstenliebe in sich. Wenn Jesus den seltsamen Befehl gibt:

„Bleibt in meiner Liebe“ (Joh 15,9), dann meint er jene selbstlose und fördernde Liebe, die das Wohl des Anderen im Blick hat, die im Griechischen Agape heißt. Sie ist sein Programm!

Eigentlich ein großes Angebot, das Jesus dem Menschen macht. Er bringt seine Liebe dem Menschen bedingungslos entgegen. Sie ist ein unverdienter Vorschuss, den der Mensch erhält.

So wird die Aufforderung „Bleibt in meiner Liebe“ auf den zweiten Blick zur flehentlichen Bitte. Wir verstehen Jesu Wort besser, wenn wir es im Zusammenhang mit dem Bildwort vom Weinstock sehen. Nur die Reben, die in der Verbindung mit dem Weinstock bleiben, können überleben und Frucht bringen. Jesus weiß, wie es dem Menschen ergeht, der die Verbindung zu ihm und damit zu Gott abreißen lässt: Er verkümmert und verdorrt.

Er verfehlt seine schöpfungsgemäße Bestimmung: als Ebenbild Gottes Spiegel der menschenfreundlichen Liebe des Schöpfers zu sein.

Urs Zihlmann, Priester

11. Mai 2020

Jesus sagt: „Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Joh 14, 20b-21)

Ein Aufbruch in ungeahnte Sphären: so gestaltet sich für viele Menschen der Glaubensweg. Nicht alles ist erklärbar oder vorauszusehen. Daher ist das Vertrauen in die Wirk- und Schöpferkraft Gottes ein wesentliches PLUS, dass wir den Weg mit ihm und miteinander gemeinsam gehen. Das Beziehungsband hält uns mit Gott zusammen, seine Gegenwart bereichert unser Dasein, damit aus dem wesentlichen PLUS jenes Symbol erkennbar ist, das Leben in Fülle verheisst: das KREUZ der Gottes- und Nächstenliebe.

Holger Jünemann, Pfarreibeauftragter

4. Mai 2020

Wer heute in Bezug auf unser Leben den Begriff der Fülle gebraucht oder hört, meint wahrscheinlich zuerst Überfluss, große Mengen, keinen Mangel, abgesichert und voll versorgt sein. Wenn Jesus sagt, dass er gekommen ist, um uns Leben in Fülle zu bringen (Joh 10,10), dann meint er damit anderes und mehr: Leben so, dass Gott meine Fülle ist; dass er mich, mein Leben und Tun erfüllt und ich so Freude und Seligkeit finde. Denn Gott hat in Christus für uns „genug getan“, wie ein Kirchenlied sagt ("der für uns hat genug getan").

Deshalb an ihn folgendes Gebet:

Jesus, du willst mir Leben in Fülle schenken –
nicht immer das, was ich gerne hätte,
aber immer das, was ich wirklich brauche.
Nicht immer das, was ich mir wünsche,
aber immer das, was gut für mich ist.
Nicht immer das, was ich für erstrebenswert halte,
aber immer das, was ich gut tragen kann.
Nicht immer das, was alle haben und man so hat,
aber immer das, was mir und dem Leben der anderen dient.

Urs Zihlmann, Priester

30. April 2020

Der gute Hirte von Vézelay

Die Basilika von Vézelay im französischen Burgund ist berühmt für ihre Kapitelle / Säulenabschlüsse aus dem 12. Jahrhundert.
Darunter sorgt ein Kapitell für Aufsehen, nicht zuletzt seit Papst Franziskus in einem Interview bekannte, dass es ihn »zutiefst berührt« habe. Zu sehen ist Jesus als guter Hirte – und es ist Judas, den er wie das verlorene Schaf auf seinen Schultern nach Hause trägt.
In Stein gemeisselt, sichtbar für die Augen und spürbar für die Herzen liegt darin eine ungeheure Hoffnung: Dass jeder Einzelne nach Hause getragen wird – dass jeder Einzelne einen Anderen nach Hause tragen kann.
«Und wenn wir das Gesicht Jesu gut anschauen, sind die Lippen Jesu auf der einen Seite traurig, aber auf der anderen Seite mit einem kleinen komplizenhaften Lächeln. Die haben verstanden, was Barmherzigkeit ist!» Papst Franziskus

Alexandra Brunner, Pastoralassistentin

27. April 2020

Jesus sagt: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28, 20b)
Es sind die letzten Worte des auferstandenen Jesus im Matthäusevangelium. Sie bilden eine unsichtbare Brücke in unsere Zeit hinein, weil die Zusage Jesu von Zuversicht und Ermutigung zeugt, die wir zum Leben brauchen. So gehen wir Schritt für Schritt, damit wir in einer bewegten Zeit mit vielen Fragezeichen hoffnungsvoll nach vorne blicken. Auch der Blick nach links und rechts ist uns in der Nachfolge Jesu aufgetragen, um die Mitmenschen in ihren Situationen vielfältig zu unterstützen. Wenn wir so gestärkt und begleitet in die kommenden Tage und Wochen aufbrechen, dann bin ich überzeugt, dass aus den vielen Fragzeichen neue hoffnungsstarke Ausrufezeichen werden.

Holger Jünemann, Pfarreibauftragter

24. April 2020

„Fünf Brote und zwei Fische“ – mit diesen Worten verbinden viele Christen sofort die Geschichte der wunderbaren Speisung der Fünftausend (Joh 6,1–15). Jesu Zeichen der Brotvermehrung steht vielen Menschen auch heute noch bildlich vor Augen. Wie einfach, wie wunderbar wäre diese Welt, wenn wir einfach alle Hungernden speisen und sättigen könnten. Wir alle sind tatsächlich aufgerufen, im Geiste Jesu auf den Nächsten zu achten und miteinander zu teilen - auch unter der Einhaltung der nötigen Distanz. Reiche und Arme, Gutbürgerliche und Benachteiligte: Wir alle sind Schwestern und Brüder. Dort, wo es gelingt, dass wir gleichberechtigt zusammenleben und miteinander teilen, dort wird Gottes Wort lebendig. Dort wird es zur Quelle unserer Gemeinschaft.

Urs Zihlmann, Priester

20. April 2020

Zeit der Übergänge
Die Osterzeit ist geprägt von Übergängen. Sie führen uns vom Dunkel des Karfreitags ins Licht von Auferstehung und Himmelfahrt.
Gerade heute gibt es wohl kaum einen Menschen, der nicht einen Übergang vor oder hinter sich hat. Doch, im Gegensatz zum Ostergeschehen, liegt das Ende unserer Übergänge grösstenteils noch verborgen.
Übergänge sind immer heikel; sie verunsichern, fordern heraus, krempeln womöglich alles um. Da ist es egal, wie klein oder gross sie sind.
Übergänge sind wichtig. Wenn sie gelingen, machen sie stark.

Übergang
Ein Gedicht von Andrea Schwarz
die Zeichen mehren sich
das Boot liegt schon am Ufer
Altes trägt nicht mehr
weil Neues wird
und ich fange an
Abschied zu nehmen
und wieder
brech ich auf
und lass los
mit Protest
und unter Schmerzen
und einem ersten Ahnen
dass am anderen Ufer
andere Blumen blühen

Gottes Segen Ihnen in dieser Zeit der Übergänge.

Alexandra Brunner, Pastoralassistentin

9. April 2020

„Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ (1 Kor, 11, 23b-25)

Dieser biblische Text stiftet die Grundlage für die Eucharistie - das höchste Sakrament, das wir in der Kirche empfangen. Heute beginnen mit dem Hohen Donnerstag, an dem die Einsetzung dieses Sakraments beim letzten Abendmahl Jesu im Kreise seiner Jünger gefeiert wird, die Heiligen Drei Tage bis zur Auferstehung Jesu. Auch wenn dieser Tage unsere Gewohnheiten durchkreuzt sind, lade ich Sie ein, in anderer Form mitzufeiern: zuhause, die Schrifttexte meditierend, betend und in der österlichen Freude darüber, dass - nach dem letzten Abendmahl und der bevorstehenden Trauer über den Tod Jesu am Karfreitag - das Fest der Auferstehung am Horizont aufstrahlt.

So wünsche ich Ihnen und Ihren Familien schon jetzt frohe und gesegnete Ostern.

Holger Jünemann, Pfarreibauftragter

7. April 202

„Einer von euch wird mich ausliefern…Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ (Johannesevangelium 13,21 und 38)

Nachdem wir am Sonntag an den Einzug Jesu nach Jerusalem gedacht haben, brauen sich dunkle Wolken bei der Jüngergruppe zusammen. Ausgerechnet beim gemeinsamen Essen kommt eine schlechte Stimmung auf. Jesus merkt nämlich, dass von seinen zwölf Freunden nicht alle das Gute wollen. Judas hat etwas Böses vor und wird vom Bösen getrieben und Petrus will zwar Jesus folgen bekommt aber Angst und sagt dann doch lieber, dass er ihn nicht kenne.

Wie ist doch der Mensch: Je nachdem wie der Wind gerade bläst, entscheidet er sich so oder so.
Bitten wir Gott, dass wir in den entscheidenden Stunden nicht versagen.

Urs Zihlmann, Priester

3. April 2020

Jubel und Leid sind am Palmsonntag nah beieinander
Hosanna dem Sohn Davids!
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe!
Mt 21,9

Gottes Sohn wird gefeiert wie ein König – die Worte sind nahezu identisch mit dem Jubel der Engel an Weihnachten.
Inmitten von Unterdrückung, Armut und Angst jubeln die Menschen von Jerusalem ihrem Retter zu.
Er, der alle Lasten tragen will, reitet solidarisch auf einem Lasttier.
In den Jubelrufen des Palmsonntags zeigt sich der mitgehende und mittragende Gott – durch das Kreuz hinaus bis zur Auferstehung.

Gott,
Du Weisheit, die mich erdacht,
du Wille, der mich gewollt,
du Kraft, die mich erschaffen,
du Stimme, die mich ruft,
du Wort, das zu mir spricht,
du Güte, die mich beschenkt,
du Vorsehung, die mich leitet,
du Barmherzigkeit, die mir vergibt,
du Liebe, die mich umfängt,
du Geist, der mich belebt,
du Ruhe, die mich erfüllt,
du Heiligkeit, die mich wandelt,
du Ziel, zu dem ich unterwegs bin
lass mich dich suchen,
bis ich mich finde in Dir.
nach Klemens Tilmann

Dienstag, 24. März 2020

„Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.“ (Num 4, 24-26)
Diese alttestamentliche Segensformal, die als aaronitsischer Segen bezeichnet wird, ist auch heute vielen Menschen bekannt. Der Segen (lat. benedicere = gut sagen) ist in besonderer Weise ein Zuspruch für den Weg, der vor uns liegt; er zeugt von Vertrauen und darf auch in dieser schwierigen Zeit ein Zeichen der Hoffnung für uns Menschen sein.
Im Segen leuchtet die Beziehung Gottes zu uns Menschen auf und wird spürbar. Schenken wir diesen Segen unseren Mitmenschen im Rahmen der Möglichkeiten, die wir momentan haben, weiter, wenn wir an sie denken, sie in unsere Gebete einbeziehen und mit auf aufmunternden Worten unterstützen.

So wünsche ich Ihnen beste Gesundheit und eben diesen Segen Gottes.
Holger Jünemann, Pfarreibeauftragter

Montag, 23. März 2020

In dieser schwierigen Zeit melden sich die Seelsorgerinnen und Seelsorger der Höfe täglich mit einem geistlichen Impuls zu Wort. Es soll ein Zeichen sein, dass wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht vergessen haben sondern an Sie denken
„Seht, ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Man wird nicht mehr an das Frühere denken, es kommt niemand mehr in den Sinn.“ (Jesaja 65,17)
Dieser Spruch könnte gut auch von Gott in unsere Zeit hineingesprochen werden: Der Himmel und die Erde werden desinfiziert. So dass sich keine Krankheiten mehr ausbreiten können. Der Coronavirus wird ein Ende haben. Schön wäre es! Jetzt sind all unsere Aufmerksamkeiten der Bekämpfung und den Vorsichtsmassnahmen gewidmet. Niemand kommt es jetzt in den Sinn, daran zu denken, dass auch dies einmal ein Ende haben könnte.
Und auch wenn wir diese Epidemie mal beenden können: Es kann doch nicht sein, dass wir uns später nicht mehr an sie erinnern. Wir müssen doch aus dieser Situation Lehren ziehen.
Gott traut uns aber zu, dass wir Menschen daraus Lehren ziehen, dass wir unser Verhalten vielleicht auch anpassen und so getrost in die Zukunft schauen können.

Urs Zihlmann, Priester